Zukunftsbilder. Oder: Wohin soll das führen?

Sackgasse | Ja nun: wer nicht weiß, wohin es gehen soll, der landet ruckzuck dort, wo es nur schwerlich weiter geht.
Ja nun: wer nicht weiß, wohin es gehen soll, der landet ruckzuck dort, wo es nur schwerlich weiter geht.

Wohin soll das führen? Die Antwort auf diese Frage ist der Schlüssel dafür, wie gut es uns gelingt, die Zukunft zu gestalten. (Und wir erinnern uns: dafür sind Projekt gedacht, fürs Gestalten der Zukunft, für neue Geschäftsmodelle, für die Digitalisierung, die Eroberung – nicht militärisch gemeint – neuer Märkte.) Sie, also diese Fragestellung, ist der Ausgangspunkt dafür, dass wir etwas vorhaben, etwas auf die Beine stellen wollen, das Neue geschaffen wird. 

Wie wird sie dann aussehen, die Welt, nachdem wir gewirkt und geschaffen haben? Und warum wollen wir, dass sie so ausschaut? Damit ist sie untrennbar verbunden, die Ausgangsfrage. Warum das alles, warum die Mühe, was haben wir davon? Und was braucht es, damit uns Zukunftsbilder helfen, Projekte erfolgreich zu machen? Klare Zukunftsbilder sparen Geld, sparen Zeit, sparen Ärger, machen Entscheidungen leichter und sind die Grundlage für selbstständiges und selbstorganisiertes Zusammenarbeiten. Wer ein Bild davon hat, wie es sein soll, und ein gesundes Maß an Menschenverstand mitbringt, der kann sich aufmachen, das zu tun, was nötig ist, damit aus dem Soll-Zustand ein realer wird.

Messbarkeit ist langweilig und irritiert

Man kann von Projektzielen halten, was man will. Oder sie anders betiteln. Sie sind nichts anderes als Bilder der Zukunft, so wie wir sie haben wollen. Das hat erst einmal nichts mit Messbarkeit zu tun, die uns in diesem Zusammenhang so oft gelehrt wird. Die Messbarkeit ist lediglich ein Hilfsmittel, damit wir Größenordnungen verstehen, damit wir unser gemeinsames Schaffen an einer Dimension ausrichten können. Es ist eben ein Unterschied, ob ich etwas für die ganze Welt erreicht haben will, oder hier für den Nordschwarzwald. 

Wer zu viel an der Messbarkeit hängt, diese eine Zahl haben will, die genau sagt, was am Ende herauskommen wird, geht auch zum Wahrsager und kauft eine Glaskugel. Was nicht gemessen werden kann, wird nicht gemacht. Dann werden auch keine strategischen Positionen besetzt, weil man das nicht in Zahlen fassen kann. Dann ist die strategische Position bald futsch, der Wettbewerber lacht sich ins Fäustchen. Er hat sich was getraut, ist eine Wette eingegangen auf die Zukunft, hat sich aufgemacht, hatte ein Bild davon, wohin das führen soll und was er sich davon verspricht. Wer ein Bild der Zukunft hat, ist klar im Vorteil. Was nicht gleichzusetzen ist mit der Garantie, dass dieses Bild Wahrheit wird. Und doch ist es mehr als ein Wunsch, ist das Versprechen, sich anzustrengen, sich reinzuhängen, zu investieren, damit das Bild dann irgendwann tatsächlich Realität wird.

Wer was auf die Beine stellen will, der braucht eine Idee

„Was ist die Idee hinter dem Ganzen?“ Mit der Idee fängt etwas an zu wachsen. Das steht in vielen Projektmanagement-Büchern, verstanden haben es die wenigsten, denke ich. Mit einer ausgesprochenen Idee und dem Willen, die Idee wahr werden zu lassen, beginnt ein Projekt. (Und nicht erst mit dem Kick-off und einer Projekt-Präsentation auf Folien!) Ab jetzt will man die Zukunft erobern, etwas schaffen, entstehen lassen. Ab jetzt wird gemeinsam gehandelt.

Eine Idee ist etwas, das Anziehungskraft hat, etwas Unreifes, Undurchdachtes. Eine Idee ist (noch) keine Lösung. „Ich könnte doch …“, ist ein Satzanfang, der gut zu einer Idee passt. Wer eine Idee weiterdenkt, sie gedanklich über die Zeit entwickeln lässt, der landet dort, wo er irgendwann sein will. Der landet beim Zukunftsbild. Und der weiß, warum er das machen will. Warum es sich lohnt, Zeit, Mühe, Geld zu investieren. Eine Idee hat immer einen Ursprung, will einen Zustand verbessern. Weshalb ein gutes Zukunftsbild, ein hilfreiches, immer auch verstehen hilft, was besser sein wird und was der Sinn hinter dem Ganzen ist.

Ohne ein zu lösendes Problem keine Sehnsucht nach einer besseren Zukunft

Der aktuelle Zustand ist das Problem. Oder präziser: ein Teil des heutigen Zustands ist ein Problem. Welches Problem wollen wir lösen? Wer eine Idee hat, der kennt die Antwort auf diese Frage aus dem Stand. Den muss ich nicht lange fragen und der braucht auch keinen Workshop, um das erklären zu können. Der weiß, was seine Idee bewirken soll. Das Problem verbindet Idee, Ursache und das Warum. Am Ende, also nach getaner Arbeit, ist das Problem nicht mehr existent – oder zumindest gemildert, abgeschwächt. Die Sehnsucht nach der Problemlösung ist der Motor dafür, dass wir uns engagieren.

Immer wieder starten Projektteams und können die Frage nach dem Problem, das sie lösen wollen, nicht beantworten. „Welches Problem schafft Ihr aus der Welt?“ „Äähmmm …“. Da fehlt der Sinn. Offensichtlich. Da darf ich dann auch kein Engagement erwarten. „Weil es der Chef will?“ ist kein besonders guter Grund, um Überstunden zu leisten. Wobei ich „Problem“ nicht negativ verstanden wissen will, vielleicht wäre „Aufgabenstellung“ ein passendes Synonym. Vielleicht aber auch nicht, weil das doch zu kurz greift. „Wir haben doch gar kein Problem!“ Warum soll ich mich dann anstrengen?

Der Nutzen. Oder: Was kommt für mich rüber? 

Was ist der Nutzen? Für wen? Wer die Zukunft gestalten will, wer investiert, der will wissen, was dabei rüber kommt. Was haben wir davon, wenn wir uns anstrengen? Eine durchaus legitime Frage. Die erst mal nichts mit Geld zu tun hat und auch nicht mit Deckungsbeitrag, Produktivität, Effizienz oder was auch immer so vermeintlich nahe liegt. 

Eine Marktchance kann durchaus ein erstrebenswerter Nutzen sein, wenn wir heute keine haben, wenn unser Geschäftsmodell bröckelt. Gerade wo die Digitalisierung Märkte durcheinander wirbelt und Einnahmequellen zu versiegen drohen, da braucht es Marktchancen, da ist ein Ansatz für eine neue Einnahmequelle schon ein wichtiger Erfolg. Diese Chancen kommen nicht von ungefähr. Sie sind ein Anfang, ein wichtiger erster Schritt auf einer Reise. 

Wohl dem, der weiß, worauf er hinarbeitet. 

Handfest: Zukunftsbilder formulieren

Wer ein neues Vorhaben startet, der tut gut daran, klare Zukunftsbilder zu formulieren. Diese Bilder richten Energie und sorgen dafür, dass Zusammenarbeit Hand in Hand gehen kann. Der Effekt ist spürbar. Wer ein klares Zukunftsbild für ein Projekt hat, der kommt schneller und leichter zu Entscheidungen, der spart sich Reibungsverluste, weil Diskussionen zielführender werden, und der hat damit die Grundlage, dass jeder Mitstreiter selbstständig am gemeinsamen Werk mitwirken kann. Wo Unternehmens- und Projektleitung gemeinsam ausloten, wohin die Reise führen soll, werden Entscheidungen schneller getroffen. Denn wer weiß, wohin etwas führen soll, kann viel besser einschätzen, welcher Weg der geeignetere ist. 

Eine Pinnwand, ein großes Blatt Papier und neun Fragen sind eine gute Grundlage, zum belastbare Zukunfts- oder Zielbilder zu formulieren. Die Fragen sind nicht trennscharf, sie gehen ineinander über. Und sie lassen sich am besten beantworten, wenn man zwischen den verschiedenen Fragen springt, zwischen den verschiedenen Perspektiven mäandert, nicht linear eine Frage nach der anderen adressiert. 

  • Was ist das Thema?
  • Was ist die Idee?
  • Was ist das zu lösende Problem?
  • Warum wollen wir dieses Thema angehen?
  • Wem steht am Ende welcher Nutzen zur Verfügung?
  • Wenn wir erfolgreich waren, was ist dann anders als heute?
  • Wie riecht es dann, wie sieht es aus, wie fühlt es sich an, wie hört es sich an, wie schmeckt es?
  • Woran erkennen Dritte zweifelsfrei, dass wir erfolgreich waren?
  • Was wollen wir nicht erreichen, wofür werden wir nicht Zeit und Geld investieren?

Dabei kann es sehr hilfreich sein, in drei zeitlichen Schritten zu denken:

  1. Was ist unsere langfristige (Project) Vision, unser langfristiges Zukunftsbild?
  2. Worauf arbeiten wir nun konkret hin, wofür zeichnen wir verantwortlich?
  3. Was ist das „Minimum Viable Product“, die kleinste auf Dauer nützliche Variante eines guten Ergebnisses?

Zukunftsbilder so formulieren, als wäre es schon so

Es klingt wie eine Kleinigkeit, macht dabei jedoch einen großen Unterschied: Zukunftsbilder funktionieren besonders gut, wenn man sie so formuliert, als wäre der Zustand schon eingetreten, als würde ein Journalist das Erreichte im Nachgang beschreiben. Und es macht in der Tat Sinn, die Sinne anzusprechen. Denn gute Zukunftsbilder sind Emotion. 

Und, was haben Sie noch vor, dieses Jahr?

Ihr
Holger Zimmermann
Projektmensch

(Visited 224 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.