Die Zukunft ist Kooperation

Wer unterschiedliches Wissen zusammenbringen kann, schafft Innovation. Das braucht Kooperation und die braucht Kooperationsmacher. Wie gut ist Ihr Unternehmen da aufgestellt?

Wer unterschiedliches Wissen zusammenbringen kann, schafft Innovation. Das braucht Kooperation und die braucht Kooperationsmacher. Wie gut ist Ihr Unternehmen da aufgestellt?

Ich stelle mir vor, ich sei Inhaber einer dieser Hidden Champions, im Maschinenbau vielleicht, oder schlicht eines anerkannten Verlags. Ich habe eine gut gehende Produktion, die ich am Laufen halten muss. Gleichzeitig stehen mir durch die „Digitalisierung“ komplett neue Möglichkeiten offen. Wettbewerber sind dran, diese Möglichkeiten zu erschließen. Ich muss mit meinem Geld haushalten. Worin investiere ich? Wie schnell kann ich digitale Technologie für mich nutzen? Wie viel Know-how haben wir dazu schon im Unternehmen? Wie lange dauert es, das nötige Know-how aufzubauen?

Wer sich anschaut, welche Entwicklung sich derzeit abzeichnet, merkt schnell, dass bestehende Geschäftsmodelle unter Druck und selbst etablierte Unternehmen damit an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit kommen. Es ist nicht genügend Geld in der Kasse, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Kapazität ist knapp. Manch einer fühlt sich wie Sisyphos, der stetige Zufluss an Chancen und Möglichkeiten wie auch an neuen Anforderungen scheint nimmer zu enden. Ganz abgesehen davon, dass ein Unternehmen gar nicht schnell genug eigenes Know-how aufbauen kann, um das nötige Tempo zu erreichen. Und abgesehen davon, dass es wirtschaftlich vielmals gar nicht sinnvoll ist, eigene Technologien zu entwickeln, wo andere schon zu sehr geringen Kosten Lösungen anbieten, die man nutzen kann. Die Amazon Webservices sind dafür nur eines der bekannteren Beispiele.

Was tun, sprach Zeus …

Diese Entwicklung lässt nur einen Schluss zu: die Zukunft (oder vielleicht schon das Heute) ist Kooperation. Wer in der Lage ist, mit anderen Unternehmen ad hoc und mit möglichst wenig Reibung zu kooperieren, kann den verschiedenen Anforderungen schneller und mit weniger Aufwand gerecht werden. Kann von der Effizienz anderer profitieren. Derjenige kann sowohl eigenes Know-how aufbauen, wie auch kurzfristig am Geschäftsmodell drehen, neue Leistungen anbieten, seinen Kunden einen neuen Nutzen liefern.

Arbeitsteilige Organisationen sind typischerweise auf klare, beständige Zuständigkeiten, nicht auf Kooperation ausgelegt

Das Problem dabei: die Organisation vieler Unternehmen ist nicht auf Kooperation ausgelegt. Im Gegenteil. Nicht mal von Abteilung zu Abteilung wird kooperiert. Und schon gar nicht, wenn es darum geht, gemeinsam etwas Neues aufzubauen. Das Neue ist es jedoch, was derzeit gefragt ist, was Unternehmen brauchen, damit sie Zukunft haben. Wie können wir von den Möglichkeiten profitieren? Man lässt sich gemeinsam auf ein Risiko ein, auf eine Suche, auf Entwicklungsarbeit, wenn man sich etwa aufmacht, um neue Einnahmequellen zu erschließen, eine neue Leistung anzubieten, ein neues Kundensegment zu erobern. Das geht einher mit Unsicherheit, Nicht-Wissen, Nicht-Vorhersagbarkeit, oder, wie es viele umgangssprachlich nennen, „Nicht-Planbarkeit“.

Spätestens wenn man mit einem potenziellen Partner an einen Tisch kommt, um zu besprechen, was man vorhat, wird es spannend. Wie soll man denn zu einer Vereinbarung kommen, wenn der Leistungsinhalt gar nicht klar ist? Der Rechtsbeistand rauft sich die Haare. Wer jetzt aus dem Stand eine belastbare Kooperation aufbauen kann, hat einen riesigen Wettbewerbsvorteil. Und da sind die rechtlichen Fragen nur der kleinste Teil des Problems. Da geht es um Menschen, um Sichtweisen, um Meinungen, um Vertrauen und letztlich schlicht um profane Dinge, wie etwa Aufgabenteilung.

Gute Kooperation bedeutet gute Zusammenarbeit, auch bei schlechtem Wetter und geringer Sicht.

Wer kooperiert, der will gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Dazu müssen die unterschiedlichen Experten aus verschiedenen Disziplinen so im Spiel sein, dass sie ihre Expertise möglichst mühelos im Sinne der gemeinsamen Sache einbringen können. Das braucht harte Fakten, wie etwa glasklare Ziele, verlässliche Absprachen über Kapazitäten, eine eindeutige Aufgabenaufteilung und glasklare Entscheidungsverfahren. Wie es auch die weichen Faktoren braucht, damit Kooperation gelingt, wie eben gegenseitiges Verständnis und Vertrauen. Die Grundlage von Kooperation ist Win-Win.

Wer kooperiert, der macht gemeinsame Sache. Klingt banal, wirkt jedoch mächtig: Es lohnt sich, darüber zu sprechen, was denn diese gemeinsame Sache ist und wie wer davon profitiert.

Weil das nicht so leicht zu erreichen ist, wird wieder versucht den Rechtsbeistand ins Spiel zu bringen und eine wasserdichte Vereinbarung zu schließen. Die kostet Zeit und Energie – und bringt am Ende nicht das, was man braucht. Man müsste, wenn man Neues aufbauen möchte, die Zukunft vorhersagen können, um alle Dinge in einem Vertrag wasserdicht zu verabreden. Wer meint, Kooperation ließe sich mit einem Stück Papier regeln, der liegt weit daneben. Im Gegenteil: echte Kooperation gelingt selbst dann, wenn es gar keinen Vertrag gibt. Dann machen ein paar Menschen gemeinsame Sache, weil sie sich etwas davon versprechen und merken, dass die anderen ebenso bereit sind, sich einzubringen. Trotz aller Widrigkeiten.

Wer kann in Ihrem Unternehmen Kooperation aufbauen?

Unternehmen brauchen deshalb Menschen, die in der Lage sind, systematisch solche Kooperationen aufzubauen. Menschen, die das Sachliche ebenso klären können, wie das Zwischenmenschliche. Menschen, die Brücken über Abteilungsgrenzen hinweg bauen können, wie auch über die Unternehmensgrenze hinaus. Manch einer bezeichnet solche Personen als „Menschenfänger“. Das scheint nicht ganz unberechtigt, gelingt es diesen Personen durchaus, Menschen zur Mitarbeit zu bringen, egal was deren Umwelt fordert.

Wo solche Bande entstehen, werden Systemgrenzen überwunden. Da kommen Dinge zusammen, die bisher nicht zusammen waren. Spätestens wenn man Firmen wie Apple beobachtet, versteht man schnell, dass aus der Kombination verschiedener Bausteine Innovation entsteht. Keine der Komponenten des ersten iPhone war wirklich neu, deren Kombination war es. Inklusive der passenden Software und des App-Store-Kosmos. Kombination erfordert Kooperation.

Kooperation braucht darüber hinaus eine Unternehmensleitung die Kooperation will. Das erfordert Offenheit für ein Wagnis, Offenheit für Unwägbarkeiten und die Kompetenz, Konflikte klären zu können, bevor sie zum Stolperstein werden. Wo das Management alle Dinge in geregelten Bahnen will und erwartet, wird keine Kooperation entstehen. Denn zu Beginn einer Kooperation steht immer das Ungeklärte. Wie könnte es auch anders sein. Das muss man aushalten. Und kann man nur aushalten, wenn man darauf vertrauen kann, dass die Kooperation gelingt. Verständlicherweise.

Was auch immer Sie mit diesen Gedanken nun machen. Viel Spaß dabei!

Ihr
Holger Zimmermann
Projektmensch

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