Fünf inspirierende Bücher: (m)eine persönliche Liste.

Bei einer Marke geht es vor allem um Vertrauen. Eines der Bücher, das mich heute noch sehr bewegt, ist von Hans Domizlaff aus dem Jahr 1951: Die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens.

Bei einer Marke geht es vor allem um Vertrauen. Eines der Bücher, das mich heute noch sehr bewegt, ist von Hans Domizlaff aus dem Jahr 1951: Die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens.

Eine Welt ohne Bücher? Mir würde viel fehlen, sehr viel. Bücher liefern Geschichten aus einer anderen Perspektive und im Gegensatz zu Blogs sind Bücher ein abgeschlossenes Werk. Der Autor liefert mir zum Inhalt auch seine Struktur der Dinge. Was waren diejenigen Sach- und Fachbücher, die mich bisher am meisten inspiriert haben? Dieser Frage bin ich nachgegangen. Herausgekommen ist eine sehr subjektive Liste der Titel, die mir viel gegeben und bleibende Eindrücke hinterlassen haben. Es ist keine Top-x-Liste geworden. Es ist schlicht eine Auswahl von fünf der Bücher, die mich sehr berührt haben.

Kreativität / Mihaly Csikszentmihalyi

Über Kreativität hatte ich so unglaublich viele schlechte Bücher gelesen, so dass ich auf das Thema kaum Lust hatte. Wenn da von Brainstorming als ultimativer Methode geschrieben wird, dann ist das, mit Verlaub, eher langweilig. Csikszentmihalyi, der in Italien geborene Sohn ungarischer Eltern mit dem schwierig auszusprechenden Namen, hat einen deutlich anderen Zugang zum Thema. Sein Lebensthema ist „Flow“, dieser Geisteszustand der absoluten Fokussierung, der uns durch das Schaffen von Dingen in einen Zustand des Glücks bringt. Dieser Zustand ist eng verwoben mit außergewöhnlichen kreativen Leistungen.

In „Kreativität“ spürt Csikszentmihalyi herausragend kreativen Köpfen nach und versucht deren Entwicklung zu verstehen. „Wo entsteht Kreativität?“, ist seither für ihn die treffende Frage, nicht mehr die Frage nach dem „Wie“. Aus persönlicher Sicht fand ich dieses Buch wohl auch so inspirierend, weil Csikszentmihalyi an einigen Stellen sehr treffend meine Gefühlswelt beschreiben konnte. Ohne dass wir uns jemals kennengelernt haben.

Kreativität: Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden / Mihaly Csikszentmihalyi / 2007

Auf der Suche nach Spitzenleistungen / Thomas J. Peters und Robert H. Waterman

Regelrecht verschlungen habe ich dieses Buch während meines ersten Praxissemesters bei einem großen, schwäbischen Automobilhersteller. Die Fahrt mit dem Bus war ebenso mit Lektüre gefüllt wie jede Pause. Wer die Liste der darin aufgeführten „Spitzenunternehmen“ heute liest, wird schmunzeln, denn sie sind nicht mehr das, was sie mal waren. Was das Konzept von Peters und Waterman angreifbar macht. Doch genau die Geschichten dieser Beispielunternehmen waren es, die es mir angetan hatten. Etwa die von Caterpillar, wie ich mich zu erinnern meinte, und deren Selbstverständnis, innerhalb von 24 Stunden jedes Ersatzteil an jeden Ort der Welt liefern zu können, um die Arbeit ihrer Kunden nicht zu unterbrechen.

Die Geschichten über dieses Unternehmen haben mich viel gelehrt über den Zusammenhang von Alleinstellung, Identität und Werten. Und ebenso mein Verständnis davon geprägt, was Unternehmensstrategie bedeutet. Davon profitiere ich heute noch, denn eine klare Unternehmensstrategie ist ein wesentlicher Ausgangspunkt für ein funktionierendes Multi-Projekt-Management. Im Fokussieren und Weglassen liegt für mich die Kraft einer guten Unternehmensstrategie. Da können viele Unternehmen noch nachlegen, was die Mitarbeiter heute meist daran spüren, dass zu viele Projekte gemacht werden. Es fehlt schlicht eine belastbare Strategie als Grundlage, um eine gute Auswahl treffen zu können. Dann wird alles gemacht und nichts richtig.

Auf der Suche nach Spitzenleistungen. Was man von den bestgeführten US-Unternehmen lernen kann / 2007 / Thomas J. Peters und Robert H. Waterman (Ich habe eine frühere Ausgabe gelesen, die nicht mehr verfügbar ist.)

Die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens: Ein Lehrbuch über Markentechnik / Hans Domizlaff

Hans Domizlaff beschreibt für mich alleine schon mit dem Titel seines Buches das, worum es bei einer Marke geht: Vertrauen. Obwohl die Erstausgabe dieses Buchs bereits 1939 erschienen ist, ist es heute mehr denn je aktuell und führt alles Bohei rund um „Content Marketing“ ad absurdum: Ohne Inhalt gibt es kein Marketing und auch keine Marke. Wie eine Marke entsteht, beschreibt Domizlaff in seinem Buch Schritt für Schritt am konkreten Beispiel einer Schokolade (wenn ich mich recht erinnere). Daraus leitet er konkrete Handlungsmöglichkeiten „für den Kaufmann“ ab und das ganz praxisnah. Am Ende hat eine Marke das Vertrauen der Kunden in mit der Marke assoziierten Eigenschaften. Dieses Vertrauen kann heute noch viel wirksamer Kaufentscheidungen beeinflussen als zu Domizlaff Zeit, denn wo zu viele Angebote verfügbar sind, ist es komplexitätsreduzierend zum „Produkt des Vertrauens“ zu greifen.

Domizlaff und der Aufbau einer Marke im Business-to-Business-Bereich sind für mich auch deshalb bedeutsam, weil ich meine Diplomarbeit über „Expanding The Definition Of A Brand Name“ für die Software-Division eines großen IT-Konzerns geschrieben habe. Nicht zuletzt dabei ist mir bewusst geworden, wie bedeutsam Vertrauen und Vertrauen können für Geschäftsleute und Unternehmen sind. Ich bin mir sicher, dass Projektmensch ohne dieses Buch und die Auseinandersetzung damit im Rahmen der Diplomarbeit längst nicht so erfolgreich wäre, wie es das Unternehmen heute ist. Die 2. Auflage aus dem Jahr 1951 steht heute noch im Bücherregal und erinnert daran.

Die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens: Ein Lehrbuch über Markentechnik / 1951 / Hans Domizlaff

Die Logik des Misslingens / Dietrich Dörner

Wenn eine Situation zu komplex wird, macht es sich unser Kopf einfach. Das führt zu Fehlern. So einfach könnte man wohl die Botschaft von Dörner zusammenfassen, wären da nicht die vielen Beispiele und Logikdiagramme, die darüber hinaus noch zeigen, wie und wo man selbst ansetzen kann, um so manchen Fehler nicht zu machen. Mich hat dieses Buch unter anderem die Kraft der Logikdiagramme gelehrt und die Bedeutung von Komplexität im Zusammenspiel mit den Fähigkeiten des menschlichen Gehirns. Da es sich nebenbei noch amüsant liest, sind viele Gedanken hängen geblieben.

Genau diese Gedanken sind es denn auch, die mich heute nachdenklich werden lassen, wenn ich von „Big Data“ und „Künstlicher Intelligenz“ lese. Ich muss dann unweigerlich daran denken, dass die Algorithmen hinter den Maschinen von Menschen für die automatische Bewältigung komplexer Situationen geschrieben wurden. In diesen Momenten wird „Die Logik des Misslingens“ eine Mahnung.

Die Logik des Mißlingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen. / 2003 / Dietrich Dörner

Strategy Maps / Robert S. Kaplan und David P. Norton

Die Balanced Scorecard so einiger Unternehmen ist einfach nur Nonsens, weil die Strategie dahinter fehlt. Mit „Strategy Maps“ haben mir Kaplan und Norton insofern aus der Seele gesprochen, weil sie für mich eine Irritation beseitigt haben: „Wir knacken die Umsatzmilliarde“ ist keine Unternehmensvision. Diese Aussage ist lediglich relevant für den finanziellen Teil der Strategie. Die Unternehmensvision beantwortet die Frage, warum diese Grenze geknackt werden soll. „Always start with why!“ Eine Balanced Scorecard kann ich erst erstellen, wenn ich eine Strategie habe. Nicht selten habe ich den Eindruck, dass es in Unternehmen lediglich die Balanced Scorecard und die damit verbundenen Kennzahlen gibt.

Für mich muss zwingend jeder gute Prozess der Strategiefindung mit dem Warum beginnen. Mit „Strategy Maps“ liefern die Autoren ein kompaktes und logisches Instrument für diesen Prozess. Selbst für ein großes Unternehmen lassen sich die strategischen Eckpfeiler auf einer DIN-A4-Seite zusammenfassen und in Beziehung bringen. Erst wenn es gelingt, eine Strategie so einfach und klar auf den Punkt zu bringen, taugt sie für den Unternehmensalltag. Sowohl für Projektmensch wie auch Projektmensch-Kunden haben die Gedanken zur Strategielandkarte schon sehr wertvolle Dienste geleistet. Wenn ich selbst über Strategie nachdenke, ist das Modell der Strategielandkarte stets das, auf das ich in der Visualisierung immer wieder zurückkomme.

Strategy Maps: Der Weg von immateriellen Werten zum materiellen Erfolg / 2004 / Robert S. Kaplan und David P. Norton

 

Während ich diesen Artikel schreibe, muss ich viel schmunzeln. Es sind schöne Erinnerungen und Gedanken, die ich mit diesen Büchern verbinde. Ich würde mich freuen, wenn Ihnen das ähnlich erginge. Wobei mir die Frage bleibt: Was sind die Bücher, die Sie bleibend inspiriert haben?

Ihr
Holger Zimmermann
Projektmensch

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