Macht unser Leben einfacher! Bitte.

Die Geister, die ich rief.

Die Geister, die ich rief.

Irgendwann demnächst werde ich noch verrückt: gibt es denn kein Geräte auf dieser Welt, das einfach nur tut, was es tun soll? Ich bin schon dabei deren Anzahl zu reduzieren, will möglichst wenig Gerätschaften mein Eigen nennen. Sonst bringt mich der Wartungs- und Auf-dem-aktuellen-Stand-Haltungs-Aufwand noch ins Grab. Ich habe wohl noch nicht genug reduziert.

Gerade diese Woche war es unser Multifunktions-Druck-Kopier-Scan-Gerät. Beim Testdruck unserer Firmenbroschüre hatte es die Eingaben alle problemlos akzeptiert und ein einwandfreies Ergebnis produziert. Als es dann ans Eingemachte ging, kam nur Schrott. Das Geräte nahm zwar meine Eingaben zur Papierstärke an, ignorierte diese jedoch sofort wieder, sobald ich auf „OK“ gedrückt hatte. Die Hotline war nicht mehr zu erreichen, nur noch das Band. Es war ja schließlich auch schon nach 16:30 Uhr. Ich hätte am liebsten … Nein, das berichte ich besser nicht. (Ein Dank an dieser Stelle an Herrn Miller von Köbele, der mich und die Gerätschaft vor Schlimmerem bewahrt hat.) Wieso produzieren Firmen Geräte, die Einstellungen einfach ignorieren? Ich will ein Gerät das das tut, wofür ich es gekauft habe. Mehr nicht. Ich will nicht, dass es fliegt oder mein Büro reinigt. Es soll einfach nur tun, wofür es geschaffen wurde, also im vorliegenden Fall einfach nur drucken. (Was es am Ende dank der Unterstützung auch getan hat.)

Nun wäre so eine einzelne Sache ja kein Beinbruch. Kann mal passieren, Leider stimmen viele andere Geräte in diesen Kanon mit ein. Will man etwa Windows einfach nur herunterfahren, muss man auf irgendwelche Updates warten. Ich will aber nicht Updates installieren und warten, ich will den Rechner herunterfahren. Was ich meistens mache, wenn ich den Ort des Geschehens verlassen und mein Notebook in die Tasche stecken will. Deshalb habe ich den Ausschalter betätigt. Selbst mein iPhone, das wirklich die Krönung der einfachen Gestaltung ist, verlangt andauernd von mir, ich solle irgendwelche Apps auf den aktuellen Stand bringen. Ich weiß nicht wie oft ich nun ein und dieselbe Applikation aktualisiert habe. Dabei habe ich das Ding doch noch gar nicht so lange.

Noch schlimmer wird es dann, wenn irgendetwas aus unerklärlichen Gründen gar nicht mehr tut. Wie vor kurzem das Notebook einer Mitarbeiterin: gestern tat es noch, wurde brav ausgeschaltet und beim nächsten Einschalten kam ein Bluescreen. Keine neue Software wurde installiert, keine gelöscht, keine Einstellung geändert. Lediglich E-Mails waren bearbeitet und Texte erstellt worden. Nichts Verwerfliches, sollte man annehmen. Über eine Woche hat ein wirklich guter Profi gebraucht, um den Fehler zu finden: Windows Vista, Kaspersky AntiVirus und unser Firmennetzwerk verstehen sich nicht mehr. Warum? Keine Ahnung. Kaspersky schuldet uns noch die Antwort sowie die Begleichung der Support-Rechnung. Selbst eine Neuinstallation hat keine Abhilfe verschafft. Kaspersky ist nun nicht mehr auf dem Rechner. Oder hätte ich gleich Rechner samt Vista und Kaspersky ins Jenseits befördern sollen? Nur der Sicherheit wegen. Auf jeden Fall kann nun wieder gearbeitet werden. (Was macht eigentlich jemand, der nicht in der glücklichen Lage ist, noch einen Rechner übrig zu haben?)

Viele solcher Geschichten mehr könnte man erzählen. Und das betrifft nicht nur die IT. Im Auto geht es gerade so weiter. „Nein, ihr Auto ruckelt nicht. Da ist nichts im Fehlerspeicher!“ hatte mir ein Servicemensch einmal gesagt. Als ich ihn dann dazu verdonnert hatte, einfach mal mit dem Auto zu fahren, musste er einsehen, dass an meiner Version doch etwas dran sein könnte. Nun könnte ich den Hersteller wechseln. Bei den Horrorgeschichten, die man von anderen Anbietern hört, scheint das jedoch keine Verbesserung zu versprechen. Manch ein naher Verwandter hat schon das Auto getauscht und steht trotzdem kein bisschen besser da. Blicken die Hersteller denn noch, was sie da machen? Ich habe ernsthafte Zweifel. Aller tollen Systeme zum Trotz: irgendwann nimmt die Komplexität einfach überhand und vielleicht sind wir an dem Punkt angelangt, an dem die Hersteller das einsehen sollten. Eine gute Taktik wäre da dann schon mal, uns Kunden nicht mehr immer noch mehr und noch mehr zu versprechen. Einfachheit als grundlegendes Prinzip.

Ich lechze förmlich danach, dass die Dinge einfach das tun, was sie versprechen. Ich will nicht mehr, keine extravagante Leistung. Schnickschnack interessiert mich nicht. Im Gegenteil: ich will es einfach einfach. Lasst mich in Ruhe mit Updates und Dingen, die nicht mehr zusammen passen. Liebe Hersteller, Verkäufer, Produktentwickler: Macht unser Leben einfacher! Bitte. Macht Einfachheit zu Eurem Geschäftsmodell. Wir sagen auch schon im Voraus schon mal „Danke!“ Vorausgesetzt Ihr akzeptiert eine Wahrheit: was einfach ist, entscheiden am Ende wir.

Ihr
Holger Zimmermann
Projektmensch.

Foto: Richard Dudley, stock.xchng

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2 Gedanken zu “Macht unser Leben einfacher! Bitte.

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