Bestandsaufnahme einfachst

Bestandsaufnahme einfachst

Bestandsaufnahme einfachst

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Antikrisenblog.

Mit volkswirtschaftlichen Weisheiten und Zusammenhängen wird die Wirtschaftskrise ja meist erklärt. Da steht Aussage gegen Aussage und geholfen ist einem damit auch nicht wirklich. Wer es jedoch schafft, einen Zusammenhang zu vereinfachen, auf das Wesentliche zu reduzieren, tut sich leichter, Ansatzpunkte für eine Änderung zu finden. Deshalb habe ich unterschiedliche Versuche gestartet, die aktuelle Situation aus Sicht eines Unternehmers darzustellen. Nach verschiedenen systemischen Darstellungen, wilden Kreisdiagrammen am Whiteboard und ellenlangen Schachtelsätzen möchte ich die aktuelle Situation auf Folgendes reduzieren:

Bisheriger Umsatz: 100 Geld pro Zeiteinheit
Gewinnschwelle: 85 Geld pro Zeiteinheit
Derzeitiger Umsatz: 70 Geld pro Zeiteinheit

„Klar!“, sagt jeder, der das liest oder hört. Aber mal ehrlich: wieviele Leute betrachten das so einfach? Sobald man das auf so einfache Art und Weise darstellt, werden die Hebel klar und deutlich sichtbar, die man hat, um voran zu kommen:

  1. Liquidität vorausgesetzt, kann man abwarten und hoffen, dass der Umsatz wieder von alleine über die Gewinnschwelle klettert. (Das ist vermutlich keine echte Maßnahme und nur für wenige machbar.)
  2. Man kann mit kurzfristig wirksamen Umstellungen wie Kurzarbeit die Kosten senken (das ist der leichteste Teil der Maßnahmen!), so dass man die Gewinnschwelle – sagen wir – bei einem Umsatz von 80 Geld pro Zeiteinheit hat. Damit reicht die Liquidität länger als bisher. Oder gleich Personal entlassen, damit man auch bei einem Umsatz von – sagen wir – 75 Geld pro Zeiteinheit bereits etwas verdient. Diese Maßnahme ist nur begrenzt möglich, da man sonst irgendwann auch den Umsatz von 70 Geld pro Zeiteinheit mangels Leistungsfähigkeit nicht mehr erwirtschaften kann. Ganz davon abgesehen, dass man diesen Schritt spätestens beim nächsten Aufschwung wieder bereut.
  3. Wer längerfristig orientiert ist, kann an seiner Produktivität arbeiten, sprich ebenfalls die Gewinnschwelle senken. In der reibungsfreien Zusammenarbeit der Menschen im Unternehmen liegt großes Potenzial. Das ist jedoch wenig greifbar und deshalb schon nicht mehr so leicht zu erschließen.
  4. Oder man geht davon aus, dass sich grundsätzlich etwas in der Wirtschaftswelt verändert hat und sucht Kunden, die bereit sind, mindestens 15 Geld pro Zeiteinheit für die eigene Leistung auszugeben und damit wenigstens eine schwarze Null zu erreichen. Das ist, wie es scheint, die Kür. In diesem Punkt fehlt eine konkrete Handlungsanleitung ebenso, wie es scheint, dass es eine große Wissenslücke bezüglich der vorhandenen Instrumente zur Bewältigung dieser Aufgabe gibt.

Wo und wie man auch immer ansetzt, wer sich für die Zukunft gut aufstellen will, kann auf diese vier Optionen aufbauen. Aus Projektmensch-Sicht scheint es sinnvoll, 1. als Sofortmaßnahme kurzfristig die Gewinnschwelle mit Maßnahmen wie Kurzarbeit zu senken, damit die Liquidität länger reicht. (Das haben die meisten Unternehmen bereits erledigt.) Die besten Mitarbeiter zur Erschließung neuen Geschäfts sollte man davon ausnehmen (was die meisten wiederum vergessen haben, womit nun eine schlagkräftige Truppe fehlt) und 2. als die eigentliche Maßnahme zur Zukunftssicherung mit diesen Menschen eine entsprechende „Task-Force“ starten, die sich systematisch an die Erschließung neuen Geschäfts macht. Etwa mit der Ansoff-Matrix. Kommt dann das alte Geschäft wider Erwarten von alleine wieder dazu, ist man sicherlich nicht böse. Im Gegenteil. Spätestens dann gilt es als 3. Schritt die Produktivität zu steigern, so dass man mit derselben Mannschaft das zusätzliche Geschäft bewältigen kann und damit wieder Freiraum für Investitionen in Mensch und Maschinen bekommt.

3 Gedanken zu “Bestandsaufnahme einfachst

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